Die Geschichte der Dreifaltigkeitsgemeinde

 

Die Gemeinde im Rückblick:

Neubeginn 1946

Von Pater Johannes van der Pluijm

Am Karsamstag 1946 kam der erste große Treck katholischer Vertriebener nach Heidmühle-Schortens. Damit fing alles an. Es waren hier keine einheimischen Katholiken. Nur eine Handvoll Auswärtiger, die auf religiöse Selbstversorgung angewiesen waren.
So gut es unter den damaligen Umständen nur ging, wurden sie nach und nach seelsorglich mitbetreut von den Pfarrherren August Holzenkamp und Heinrich Westendorf aus Jever; Neumann auf Lomnitz; "Rat " Kober, Alois Knauer aus Naumburg und Kaplan Born aus Lohne. Nur eine trockene Aufzählung von Namen. Wie viele Opfer haben sie gebracht. Der Chronist weiß allerhand davon, aber Gott mehr. Von jedem einzelnen könnte man einen Roman, wenn nicht einen Bestseller, schreiben. Sie waren die Pioniere in der Eiszeit der Seelsorge. Pioniere auch die Pfarrhelferinnen Ursula Koblitz und Elisabeth Meier, die als erste Religionsunterricht erteilten. Pioniere ebenfalls die kleine Herde der Getreuen, die tapfer standhielten im Sturm der Diaspora. Ohne die Letzten wäre es wohl nicht zu einer regelmäßigen Seelsorge gekommen.
Die Gottesdienste wurden notgedrungen unregelmäßig und in behelfsmäßigen Räumen, wie in der Privatwohnung (Baracke) von Robert Grünert seligen Andenkens, in Schulräumen und Gaststätten "gefeiert". Später durfte der Gottesdienst am Sonntagnachmittag in der ev. Kirche stattfinden. Nachher wurde er aus praktischen Gründen in die Friedhofskapelle verlegt. An heißen Tagen war der Leichengeruch nicht immer besonders angenehm. Manche wollten ihre Kinder - etwas abergläubisch, aber verständlich - nicht in der Leichenhalle taufen lassen. Inzwischen war der Ruf nach einem kath. Lehrer lauter und lauter geworden. Nach vielen Schwierigkeiten kam der Herr Lehrer Adolf Martinetz (Sudetenland). Bald wurde er Rektor an der Volksschule Heidmühle und die Seele der kleinen Herde ohne eigenen Seelsorger. Ebenfalls übernahm er den Religionsunterricht, auch in den Randgemeinden. Alles mit Fahrrad und er war nicht mehr der Jüngste !

Sehr segensreich wirkte auch im Jahre 1952 die Kapellenwagen-Mission unter der Leitung von "Speckpater" Werenfried van Straaten.

Im Jahre 1956 wurde durch den Tod und Versetzung der Priestermangel so groß, dass in Schortens-Heidmühle eine "Sedisvacanz" entstand. Kein Priester mehr, der nicht überlastet war und sich noch dieser Gläubigen tatkräftig annehmen konnte.

"Jetzt kam ein traurige Zeit . . . " schreibt der Chronist.

In diesem Notstande wurde am 15. Februar 1957, durch den H.H. Offizial Prälat Heinrich Grafenhorst, P. Johannes van der Pluijm gesandt und es ging ein Aufatmen und frohes Hoffnungsschöpfen durch unsere Reihen. Endlich wieder ein Seelsorger mitten unter und für uns! Dieser 15. Februar 1957 bedeutete einen Markstein und Wendepunkt für unsere Gemeinde", meinte der Chronist mit Recht.

Ja, endlich ein Priester, der nicht überlastet war und sich auf seine Aufgabe konzentrieren konnte. Die Gläubigen, bei weitem nicht alle, aber eine zahlreiche Elite, und Seelsorger begeisterten und befruchteten sich gegenseitig und von da an ging es rasch vorwärts. Die Pläne für ein eigenes Gotteshaus reiften schnell wie unter einem subtropischen Klima. Nachträglich gesehen mit mehr Glück als Verstand. Aber Gott und unzählige Wohltäter waren mit uns. Allen voran das Bischöflich-Münstersche Offizialat mit Genehmigung zum Bau und einer ersten Spende und der Bonifatiusverein in Paderborn (Prälat Gabriel) mit 30.000 DM Zuschuss.

Die Telefondrähte zwischen Schortens-Vechta und Schortens-Paderborn erhitzten sich bis zur Weißglut. Als wir mit dem Ausschachten anfingen, hatten wir genau 42 DM Schulden; eben die Fernsprechgebühren mit Vechta und Paderborn. Das war am 1. Samstag in November 1957; Richtfest schon am 1. Dezember 1957. Dann kam ein langer und strenger Winter. Trotzdem fand die Kirchweihe bereits am 10. August 1958 !

Die Kirche hat ohne Innenausstattung 79.000,00 DM gekostet.

Der eigenwillige Modellentwurf war anfangs sehr umstritten; das Urteil reichte von heller Begeisterung bis zu absoluter Ablehnung. Als das Gotteshaus nach dem ursprünglichen Plan fertig war, stellte es sich heraus als ein Kleinod an Architektur und als eminent sakraler Raum.

Mit der Errichtung eines Gotteshauses wurde auch eine lebendige Pfarrfamilie geboren. Ein Verein nach dem anderen wurde ins Leben gerufen, u.a. wurde der Männerverein "Wir Männer" gegründet.

Eine Familie - auch eine Pfarrfamilie - ohne Feste ist wie ein Herd ohne Feuer. Darum wurden von Zeit zu Zeit gesellige Abende veranstaltet. Bei solchen Anlässen lernte man sich gegenseitig besser kennen und schätzen. Weil die meisten Vertriebene sind, wurde heimatliches Brauchtum gehegt und gepflegt.

Damals, im Jahre 1957, zählte die Gemeinde etwa 300 Seelen. Rund 25 Erwachsene und drei Kinder nahmen regelmäßig am Gottesdienst teil. Sobald ein eigener Seelsorger da war und die Gottesdienste regelmäßig abgehalten werden konnten, stieg die Zahl sofort um das Doppelte. Als die neue Kirche fertig war, verdoppelte sich die Zahl wiederum. 

 

Entnommen der Festzeitschrift zur Konsekration unserer Kirche vom 1. November 1988.